Jazz-Akkorde fürs Klavier

Beispiel-Kadenz: // Dm7 / G7#11 / Cmaj7 / Cmaj9 //

 

Wer einen bekannten Jazz-Standard am Klavier nachspielen möchte, merkt schnell, dass man um gewissen Kenntnisse & grundlegendes Know How in Sachen Akkordaufbau / Akkord-Struktur und Akkordsymbole nicht drum herum kommt.

 

Doch warum ist das so?

 

Im Jazz werden in der Regel erweiterte Akkorde gespielt, um bestimmte "jazzige" Klangfarben zu erzeugen. Spannungstöne in sogenannten "alterierten Akkorden" sorgen (wie der Name bereits andeutet) für zusätzliches "Knistern" in der Akkordstruktur, das in der Regel dann wieder  harmonisch aufgelöst wird.

 

Doch ein grundlegendes Problem haben viele Musiker / Pianisten nicht verstanden:

 

Die Notation in Jazz-Leadsheets erfolgt häufig stark vereinfacht. Wenn ein Akkordsymbol "C" notiert ist, bedeutet das nicht, dass man einfach nur einen C-Dur Dreiklang spielen sollte. In der Regel ist im Jazz dann meist ein Cmaj7 (C-Major-7-Akkord) gemeint. Und ein notierter G7-Akkord, wird für gewöhnlich nicht als "einfacher" Dominant-Sept-Akkord gespielt, sondern mit Erweiterungen, etwa als G13-Harmonie.

 

Erst wenn man das verstanden hat und dazu die typischen Begleitmuster kennt, wird man Jazz am Klavier authentisch begleiten können.

 

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Akkordsymbole und was sie bedeuten?

Wir treffen in typischen Jazz-Standard Leadsheets also immer wieder auf "vereinfachte" Akkordsymbole. Diese werden meist nicht "exakt" so gespielt wie notiert, sondern sinnvoll erweitert bzw. interpretiert. Solche Interpretation erfolgen im Jazz stets spontan. Es macht vielmehr den Reiz dieser Musik aus, dass sie bei jeder Gelegenheit etwas anders klingt und ständig variiert wird.

 

Doch bevor man zu den Varianten kommt, sollte man erstmal in der Lage sein die Kernelemente von Melodie, Rhythmus und Akkordsymbolen richtig zu erfassen und umsetzen zu können. Denn natürlich "funktioniert" ein Jazz-Standard auch, wenn man einen Titel exakt so spielt, wie notiert - also auch mit den vereinfachten Akkordsymbolen. Und in einigen Jazz-Standard-Leadsheets werden auch gleich die passenden Erweiterungen und Alterationen (mit Spannungstönen) vorgeschlagen.

Bezüglich der Akkordsymbole ist es zunächst wichtig zu wissen, dass die Schreibweisen nicht einheitlich geregelt sind. Daher gibt es Unterschiede in der Notation, die sich zum Teil nicht nur international, sondern auch von der US-Ostküste zur US-Westküste unterscheiden.

 

Hier mal die wichtigsten Akkordsymbole:

 

Dur-Akkord:

In der Regel reicht ein Großbuchstabe wie "C" für einen Dur-Akkord. Gelegentlich wird auch der Zusatz "maj" (für "major" = Dur) hinzugefügt, also "Cmaj" für C-Dur. Nicht selten ersetzt ein Dreiecks-Symbol die drei Buchstaben "maj" für Major. 

 

Symbole:

C / Cmaj / C∆

 

 

Ergänzen wir die große oder kleine Septime zu dem Dur-Dreiklang, ergeben sich folgende Schreibweisen:

 

für C-Dur + große Septime:

Cmaj7 - C∆7  (C major 7 Akkord)

 

für C-Dur + kleine Septime:

C7 (C Dominant-Sept-Akkord)

 

Moll-Akkord:

 

In einigen Leadsheets wird ein Moll-Akkord einfach mit einem Kleinbuchstaben "Beispiel "c") notiert, in der Regel jedoch mit einem nachgestellten "m" für "minor" (= Moll). Häufig dient auch ein Bindestrich (Minuszeichen) als Ersatz für den Buchstaben "m" für Moll.

 

Symbole:

c / Cm / C-

 

Ergänzen wir die kleine Septime zu dem Moll-Dreiklang, so erhalten wir folgende Schreibweise:

 

für C-Moll + kl. Septime:

Cm7 / C-7 (C Moll-7 Akkord)

 

Immer wieder tauchen auch Moll-7-Akkorde mit verminderter Quinte auf. Diese notiert man wie folgt:

 

Cm7b5

(C-Moll-7 mit verminderter Quinte = C-halbvermindert)

 

Was bedeutet #11?

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird lautet: Was bedeutet eigentlich "#11"? Oder auch andere Zusatzbezeichnungen wie "#9" oder "b9"...?

 

Es handelt sich um sogenannte Alterationen, die ich hier kurz erkläre:

 

Bei Alterationen handelt es sich um zusätzliche Spannungstöne, die einen Akkord interesanter und spannungsreicher gestalten sollen. Normalerweise werden Akkorde meist in Terzen "geschichtet". Auf den Grundton folgt die Terz (groß oder klein), darauf die Quinte (eine Terz über der ersten Terz) und nochmal eine weitere Terz höher, erhalten wir die Septime (ebenfalls groß oder klein). Aber es gibt eben auch Töne, die aus diesem Terz-Schichtungs-Schema herausfallen. Zum Beispiel die Quarte.

 

Und Quarten tauchen in den Akkordsymbolen entweder als "4" auf, wenn sie die Terz ersetzen oder (falls die Terz drin bleibt und die Quarte eine Ergänzung darstellt) eben als "11". Eine solche Quarte (11) ist ja per se schonmal spannungsreicher, da sie eine gewisse Reibung zur Terz erzeugt. Um diese Reibung etwas zu entschärfen, oktaviert man die Quarte - daher auch die Bezeichnung "11" statt "4"! Und wenn man diese oktavierte Quarte (11) nun noch einen Halbton erhöht, bekommt man die "#11", die im Akkordsymbol ebenso auftaucht, z.B. als Cmaj7/#11 (C Major 7 Akkord plus #11) oder - wesentlich häufiger - als C7#11 (C-Dominant-Sept-Akkord plus #11).

 

Symbol für alterierten Dominant-Sept-Akkord mit #11:

C7#11

 

Ein solcher Dominant-Sept-Akkord mit übermäßiger Quarte (oktaviert) ist sehr spannungsreich und "freut sich" über eine gelungene Auflösung. Zum Beispiel von G7#11 zu Cmaj7. Diese "alterierten" Akkorde setzen neue Klangfarben und helfen den Spannungsbogen in einer Jazz-Kadenz aufrecht zu erhalten und interessant zu machen.

 

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